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Einander lieben

Karin Ebert, IMPULS | | Apropo

Lieben wäre einfach, wenn es da nicht so schwierige Menschen gäbe...

Menschen, die es einem sehr schwer machen, freundlich und liebevoll zu bleiben. Menschen die Ärger, Druck, Probleme mitbringen und auslösen. Und Menschen, die keinerlei Einsicht haben, dass sie ein Teil der Schwierigkeiten sind und das Problem immer in dem anderen suchen und finden. Und so erleben wir oft im alltäglichen Miteinander kein Wir sondern Ärger, Streit, Feindschaft, Druck, Neid, Hass und Boshaftigkeit. Mitten in diesen Schwierigkeiten fordert uns Gott heraus zu lieben – nicht nur den einfachen Mitmenschen sondern bis hin zum „Feind“ – wie geht das praktisch? Liebe ist nicht primär ein Gefühl, sondern die Entscheidung, das Dasein eines anderen Menschen grundsätzlich zu bejahen: „Es ist gut, dass es dich gibt – auch wenn vieles was du tust schwierig (gemein, verletzend, etc.) ist“. Dessen Dasein zu bejahen (weil Gott es bejaht und geschaffen hat) und dessen Wohl zu wollen ist der Grundbestandteil von Liebe.

Und was ist das Wohl des Anderen? Es ist dessen konkrete Herzensveränderung hin zu einem verantwortlichen, liebenden und Gott ehrenden Lebensstil. Für einen egoistischen, selbstzentrierten Menschen, der auf Gefühle und Bedürfnisse anderer keine Rücksicht nimmt, wäre das z. B. das Entwickeln seiner Fähigkeit, andere an die erste Stelle zu setzen und echtes Mitgefühl zu zeigen. Aber wie soll so eine Verwandlung von statten gehen? Zumal der Betroffene (der Egoist) ja kein Bedürfnis nach Veränderung hat? Die einzige Kraft der Welt, die Menschen herausfordert sich zu verändern, ist die Liebe. Und diese Liebe bedeutet weder ein sich „arrangieren“ mit dem Negativen, noch ein sich distanzieren vom Anderen, sondern ein aktives Hoffen gepaart mit Realismus und Gnade. Ein konkretes Beispiel: Ein Mann kontrolliert mit seiner Wut seine ganze Familie. Bei der kleinsten Kleinigkeit rastet er aus. Die Ehefrau reagiert darauf so, dass sie versucht ihm alles recht zu machen. Das ist keine Liebe. In Sprüche 19,19 heißt es: „Wer im Jähzorn handelt, soll Strafe dafür zahlen; wenn du sie ihm erlässt wird es noch schlimmer mit ihm.“ Eine liebevolle Haltung bedeutet hier also eine angemessene Konfrontation, ein aktives Eintreten für eine Konfliktlösung. Das bedarf sicherlich der Übung und der Weisheit aber ist ein tiefer Ausdruck von Liebe, die für den Anderen und gegen dessen zerstörerisches Verhalten ist. Einander lieben: Weit mehr also, als nur ein kurzfristiges wohlmeinendes Gefühl. Es ist der Entschluss, für das langfristige Wohl des Anderen einzutreten, aktiv zu werden für eine nachhaltige Veränderung zu seinem Besten. Und es bedarf des täglichen Lernens und Übens, diesen Entschluss umzusetzen.
 

Quelle: Impuls (Bewegungsmagazin der Freien Christengemeinde in Österreich) - Karin Ebert

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